Team Spirit
Geschrieben von Gieri Murk am 28. Juni 2013

20.28 Uhr: Die Grillen zirpen um die Wette, die Sonne ist untergegangen, ich sitze gemütlich im Garten auf meinem Liegestuhl und gönne mir zum Feierabend ein wohlverdientes isotonisches Sportgetränk. Unten prickelnd gelb, oben weisser Schaum. Zsch, Deckel weg – Ahh, der erste Schluck ist immer der beste.


Der Wecker reisst mich an diesem Sonntag im Herbst 2012 früh morgens aus dem Schlaf. Noch einmal strecken und dann heisst es aufstehen. Raus aus den Federn! Der kleine anthrazit/grüne Rucksack liegt in der Ecke in meinem Zimmer parat. Doch vorher wird im Gasthaus Huber in Mühlbach noch reichlich gefrühstückt. Das Buffet hier im Südtirol ist vorzüglich, es fehlt an nichts. Meine Teamkollegen vom Advance XC-Serial-Team sind alle bestens gelaunt, reissen Sprüche, lachen und freuen sind auf neue Erlebnisse. Norweger, Deutsche, Österreicher, Italiener und Schweizer haben das gleiche Ziel. Zu Fuss, direkt von unserem Gasthof aus, gehts heute auf den Guggenberg. In meinen kleinen Rucksack habe ich zuvor noch rasch einen Liter Wasser, einen Riegel sowie ein T-Shirt und eine Softshelljacke gepackt. Mit drin sind natürlich auch mein nigelnagelneuer Gleitschirm Advance Pi und das dazupassende Gurtzeug Easiness. Helm und Handschuhe dürfen ebenfalls nicht fehlen. Das hat wirklich alles in diesem handlichen Rucksack Platz. Und das beste daran: diese ganze Leichtgewichtausrüstung wiegt nur ein paar Kilo, ein Bruchteil von einer herkömmlichen Ausrüstung.

20.51 Uhr: Die Dämmerung hat eingesetzt, es ist herrlich im Garten zu sitzen und den Tag ausklingen zu lassen. Ein lauer Wind lässt mich den Sommerabend im T-Shirt geniessen. Das ist Erholung pur. Die Grillen geben immer noch den Ton an.

Über einen gelben weichen Teppich, wie dies nur ein herbstlicher Lärchenwald zaubern kann, führt unser Weg immer weiter nach oben. Vorbei an verlassenen Jägerkanzeln, davon fliegendem Birkwild, immer wieder durch gespenstisch wirkenden nebelverhüllten Wald. Die Sonne drückt je länger je mehr durch. Ein wunderschönes Farbspiel mit herbstlich braunen und goldenen Farbtönen beginnt vor unseren Augen. Die Luft ist sauber, das riecht man sofort. Sie wurde gestern ja auch gereinigt. Tief einatmen, herrlich! Legföhren und Arven lösen später die Lärchen ab. Die Stimmung könnte besser nicht sein. Einer hinter dem anderen marschieren wir den Berg hoch. In Gedanken versunken erinnere ich mich an den gestrigen unterhaltsamen Teamabend, an dem unsere norwegischen Freunde enthusiastisch von ihren neuen Streckenrekorden im Norden erzählten. Sie schwärmten von Fjorden und vom Meer, von wagemutigen Flügen und der tatsächlich hörbaren Mückenplage über den Seen, die sie vom Landen abhielt... Mit unseren leichten Rucksäcken lässts sichs übrigens ganz locker laufen, auch nach zwei Stunden noch.

21.14 Uhr. Zirp, zirp, zirp tönt es ununterbrochen. Haben diese kleinen Tierchen denn keine Nachtruhe? Die Flasche ist schon fast leer. Sollte ich vielleicht nochmals in den Keller steigen und für Nachschub sorgen?

Ich nehme ein paar grosse Schlücke aus meiner Wasserflache. Hier oben auf dem Gipfel des Guggenbergs schmeckt es sehr erfrischend. Die Sonne wärmt mich. Schnell ein trockenes T-Shirt anziehen und dann wartet das ganze Team auf die Anweisungen von Kari Eisenhut, unserem Team-Chef. Wie gestern wird es auch heute einen Massenstart geben. Deshalb heisst es nun, Gleitschirme ausbreiten, Gurtzeuge parat legen, Leinen sortieren, sich startklar machen. Von unserem Startplatz aus sehen wir das berühmte Streckenfluggebiet Speikboden und den Kronberg. Die grosse Wiese, auf der nun alle Schirme dicht nebeneinander liegen, sieht wie ein Flickenteppich aus. Die letzten Nebelfetzen im Tal haben sich aufgelöst, ein sonniger Tag steht uns in dieser alpinen Landschaft bevor. Auch heute begleitet uns Andy Busslinger wieder. Er wird das XC-Serial-Team dieses Wochenende fotografisch ins rechte Licht rücken. So wollen wir alle unser bestes geben.

21.22 Uhr: Für Nachschub ist unterdessen gesorgt.

Eins, zwei, drei... und los. Auf Karis Kommando heben an die zwanzig weisse identische Schirme praktisch gleichzeitig ab. Ein faszinierendes Bild, nicht nur für den Fotografen! Ich fliege mittendrin mit und bin ein Teil dieses Teams. Das ist wahrlich ein tolles Gefühl.

Heute geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zu jagen oder möglichst lange in der Luft unterwegs zu sein, sondern nur um das Erlebnis Fliegen. Mir wird bewusst, wie schön das alles ist. Kein Vario, das piepst, keine Thermikstrasse die ruft, keine Hektik, keine Kollegen, die davon fliegen, nur geniessen. Fliegen und geniessen. Ich fühle mich frei wie ein Vogel. Alle Pilotinnen und Piloten sind heute gleichgestellt. Wir sind zusammen auf diesen Berg gelaufen und nun fliegen wir gemeinsam ins Tal zurück. In einem Team zu fliegen ist für mich ein ganz besonderes Erlebnis.

22.07 Uhr: Die Wetterprognosen für morgen sehen gut aus. Der Himmel ist klar, Ruhe ist eingekehrt. Langsam neigt sich der Tag zu Ende. Zirp, zirp, zirp...

Ich lande sanft auf der Wiese im Tal, unten in Uttenheim. Alle sind wieder hier, fast gleichzeitig. Wiederum sehe ich viele freudige Gesichter. Wir haben einfach alle Spass an dieser Fliegerei.

Als wäre es der Stimmung nicht genug, wird gleichzeitig in unmittelbarer Nähe des Landeplatzes der Almabtrieb gefeiert. Leute aus dem Dorf machen sich für den Umzug bereit. Wir erleben sozusagen als Tüfpchen auf dem i Folklore in einer wunderschönen Umgebung. Sie bildet heute den krönenden Abschluss eines unvergesslichen Wochenendes.

22.32 Uhr: Langsam wird es kühler draussen. Lange bleibe ich nicht mehr hier.

Wir packen nun die kleinen Rucksäcke und unser Gepäck in die Autos ein. Auf der Heimfahrt wird nochmals rege diskutiert und ausgetauscht. Der Saisonabschluss unseres Advance XC-Serial-Teams im Südtirol vom 20./21. Oktober 2012 bleibt mir in bester Erinnerung. Das gemeinsame Erlebnis, seien es die zwei Flüge am Samstag in Ahornach, die offerierte Brotzeit des ortsansässigen Gleitschirmclubs, das fürstliche Abendessen, der gesellige Teamabend oder der unvergessliche Flug am Sonntag vom Guggenberg, stand stets im Vordergrund. Teamkollege Kurt Eder, der uns alle in Empfang nahm und uns das ganze Wochenende begleitete, zeigte uns die schönsten Seiten dieser Ecke des gastfreundlichen Südtirols. Auf dass ein neues hike & fly Abenteuer kommen werde!

22.36 Uhr: Das war der letzte Schluck. Die Grillen zirpen immer noch, die verstummen wohl erst gegen den Morgen hin. Am Himmel leuchten die Sterne. Zeit, ins Bett zu gehen. Morgen um 5 Uhr wird mein Wecker läuten. Ja genau. Dann werde ich meinen kleinen Rucksack schultern (er liegt schon bereit), in den Morgen hinein laufen und spätestens um 7.30 Uhr oben auf meinem Hausberg stehen. Was dann kommen wird, gehört mir ganz allein: Ein Flug in den Morgen hinein, klar und rein. Pure Fliegerei als Ausgleich zum Alltag. Etwas später werde ich im Büro eintreffen, gut gelaunt und voller Tatendrang.

von Gieri Murk


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Thomas Jeltsch
26. Feb 17:22   Sicherheitstraining am Sa. 28.2.2015, Turnhalle Tuma Platta, Domat/Ems. Eingang an der Nordseite (Schwimmbad Seite). Ab 14:00 Schirm packen unter Anleitung, ab 17:00 für Selfies. Gruss Thomas

Fredi Bach
15. Feb 15:56   Wer sich schon mal auf die neue XC Saison vorbereiten will: http://xcomp.org/xcroutes/

Samuel Patzen
24. Jan 19:45   Test

Davide Cattaneo
27. Mrz 18:07   Mora 28.03.2014 Fanas??wer chunt mit?Dave 0792070106

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